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Der Stromverbrauch in unserem Land steigt jährlich regelmässig, und dies trotz Effizienzverbesserung und Optimierungen. Diese Steigerung beträgt im Durchschnitt der letzten Jahre 1,7% pro Jahr oder 1 Mio. MWh.
von Nationalrat Hans Killer, Mitglied Leitender Ausschuss Energieforum Nordwestschweiz
Drei Kernkraftwerke kommen an das Ende ihrer Produktionsphase. Es fallen weg: Beznau 1 + 2 rund 5,8 Mio. MWh (etwa 9,1% unseres Verbrauchs), Mühleberg ca. 3 Mio. MWh (etwa 4,7%). Insgesamt stammen rund 40% der Elektrizität aus landeseigenen Kernkraftwerken. In den nächsten Jahren werden die privilegierten Verträge mit Frankreich auslaufen. Diese haben bisher pro Jahr (vor allem im Winter) rund 4 Mio. MWh beigetragen - etwa 7% unseres Endverbrauchs. Um 2020 geht rund ein Viertel unserer Strommenge, also etwa 13 Mio. MWh, verloren. Bis 2030 erhöht sich das Versorgungsdefizit auf einen Drittel. Dies gilt es zu decken, da unsere Wirtschaft zwingend auf eine sichere Stromversorgung angewiesen ist. Trotz intensiven Anstrengungen in Optimierung und Einsparungen können wir kaum den jährlichen Mehrverbrauch kompensieren.
Auch die Anforderungen der 2000-Watt-Gesellschaft werden wir nicht in absehbarer Zeit schaffen. Elektroautos scheinen ernsthaft auf den Markt zu kommen. Strom wird also im Bereich der Mobilität ein erhebliches Zukunftspotenzial zugedacht, um Erdöl zu substituieren. Trotz Spar- und Optimierungsbemühungen wird der Verbrauch nicht sinken.
Bei den nicht erneuerbaren Energien stehen Wind und Sonne im Vordergrund. Die Meinungen gehen auseinander, wie leistungsfähig und zuverlässig sie sind und was man bei schlechtem Wetter macht. Naturschutzverbände sind gegen den Ausbau der Wasserkraft als dauernd verfügbare Bandenergie, Windanlagen dürften schwierige Bewilligungsverfahren vor sich haben, ästhetische Gründe sprechen gegen Photovoltaikanlagen. Zwar steht die Sonne an manchen Tagen mit fast unbegrenzter Energie zur Verfügung, aber ihre «Lieferfähigkeit» ist nicht dann am besten, wenn am meisten Strom benötigt wird, sondern halt nur tagsüber und an hellen Tagen. Um das auszugleichen, müsste die Leistung der Pumpspeicherwerke erheblich gesteigert werden. Vor einem Ausbau und Neubau solcher Werke stehen fast unüberwindbare Bewilligungsverfahren.
Welche Mengen von welcher Produktionsart wären für die Kompensation der Abgänge nötig? Windanlagen mittlerer Grösse (Masthöhe 80 bis 100 Meter, Rotordurchmesser ca. 50 Meter) haben hierzulande eine Maximalleistung von etwa 1 MW. Eine solche Windturbine produziert im Jahr rund 1800 MWh. Dies entspricht etwa 0,014% der Fehlmenge. Oder bildhaft: Um die Lücke zu decken, braucht es 7200 solcher Windanlagen! Auch Solaranlagen sind nicht regelmässig und vor allem nicht steuerbar einsetzbar. Photovoltaikanlagen leisten pro m2 und Jahr etwa 125 kWh. Somit würden 1000 Anlagen auf Dächern in der Grösse von 5 auf 5 Metern etwa 3100 MWh Energie erzeugen, die teilweise in Pumpspeicherkraftwerken zwischengespeichert werden müssten. Diese Anlagen würden im Jahresdurchschnitt etwa einen Drittel der zu ersetzenden Menge ausmachen. Bildhaft: Die Produktion der Werke Beznau 1 + 2 würde eine Photovoltaik-Fläche von etwa 50 km2 oder 2 Millionen Dachanlagen mit je 25 m2 erfordern.
Die Vergleiche mit Windenergie und der Photovoltaik sind nur begrenzt zulässig. Die Vergleiche berücksichtigen nämlich nicht, dass die Kernenergie rund um die Uhr zuverlässig Energie (Bandenergie) produziert. Demgegenüber ist die Stromproduktion aus Wind und Sonne stark von der Natur abhängig. Dies erfordert zusätzliche Reserven in Form von Spitzenanlagen, die jederzeit und sofort auf Abruf verfügbar sind.
Der stetige Ersatz der fehlenden Mengen bei der Abschaltung der Kernanlagen kann nur mit neuen Grossanlagen garantiert werden. Wasserkraft kann nur begrenzt ausgebaut werden, den Ausweg über die Gaskombikraftwerke sollten wir aus CO2-Gründen vermeiden. Die Nachfrage nach Elektrizität wird steigen, auf die Annehmlichkeiten einer ausreichenden Stromversorgung wollen wir nicht verzichten. (Zur Erinnerung: Der jährliche Mehrverbrauch beträgt rund 1 Mio. MWh, dies entspricht etwa 550 Windturbinen!) Darum sollen nebst Grossanlagen auch die sinnvollen und finanziell tragbaren erneuerbaren Energien realisiert werden.
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